Zahnschmertzen

Da das schon jetzt zu schwerwiegenden Desinformationen in der Gesellschaft geführt hat, das als Erstes:

Die 10 Euro Praxisgebühr kassiert zwar der Arzt, aber sie gehen an die Krankenkassen. Das funzt so:

Wenn der Arzt im Monat 200 Patienten hat, werden ihm von der KV im Auftrag der Kassen 200 mal 10€ abgezogen. Egal, ob die Patienten die Gebühr bezahlt haben, oder nicht. Der Arzt darf den Verwaltungsaufwand und die -Kosten selber tragen. Und er darf auch denen, die nicht gezahlt haben (geld vergessen, pleite, etc.) selber hinterher rennen. Ulla Schmidt hat in ihrer unendlichen Weisheit den Ärzten für diesen Fall geraten: "Ohne Gebühr keinen behandeln, schickt sie wieder nach Hause." Mach das mal als Niedergelassener Arzt. Dann sitzt Du bald Spinnwebenbehangen allein in der leeren Praxis.

Also nochmal zur Deutlichkeit: Von den 10€ hat der Arzt nix. Er fungiert nur als Kassierer Geldeintreiber der Krankenkasse.


Zum Thema "schnell die Patienten durchschleusen": Wenn Du von der Regierung angehalten bist, schnell und effektiv zu behandeln (teils per Verordung, teils per Gesetz), und Du für Beratung und "sich Zeit für den Patienten nehmen" bestraft wirst, dann mußt Du es so machen. Eine Beratung kann schonmal ne Stunde dauern. Durch die unseelige Budgetierung kriegst Du nur noch einen bestimmten "Punktwert" dafür. Ein paar Jahre später erfährst Du, wieviel cent der Punkt zu dem zeitpunkt wert war. Da kann´s schonmal sein, daß der gute Mann eine Stunde für drei € gearbeitet hat. Davon muß er leben, seine Praxiskosten decken, seine Angestellten bezahlen und Steuern, und Abgaben blechen.
Durch das sinnige Punktesystem weiß ein Arzt auch nie, wann er sein Budget erschöpft hat (zB für Medikamente) und wann er dem Kranken noch was verschreiben darf. Das erfährter er erst Jahr später, wenn die Abrechnung durch ist und die Kasse Bescheid gibt. Die Budgets sollen ja Kosten kontrollieren. Wenn man aber nicht weiß wie sein Budget steht, kann man nicht kalkulieren. Danke, Ulla!:D

Solche Beispiele für sinnfreie und ahnungslose Politik (Schmidt hat lauthals vor der Kamera zugegeben, von Gesundheitswesen keine Ahung zu haben, und sei stolz drauf. Naja, sie ist ja auch hauptberuflich Gewerkschaftlerin) kann ich bücherfüllend aufzählen. Daß da ein gewisser Frust in den Praxen herrscht, ist nachvollziehbar. Daß die Patienten dabei auf der Strecke bleiben, auch. Nur Kann die Schuld dafür nicht dem Arzt gegeben werden. Dem sind die Hände mehr als gebunden.

sam
 
A

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Re: Zahnschmertzen
Und "mehr Patienten= mehr Geld" ist auch Humbug.

Das ist das mit den Budgets: Wenn nach 100 Patienten das Budget erschöpft ist (kann der Arzt eh nur vermuten, wann das ist. Siehe oben), dann kann der den 101. und 102. und soweiter Patienten entweder heimschicken (nicht ratsam, Behandlungspflicht!), oder sprichwörtlich umsonst arbeiten. Das zahlt ihm keiner.
Man müßte mit der Desinformation der Bevölkerung mal aufräumen, aber es interessiert leider nur die Wenigsten...


sam
 
naja ok dann liegt es zum grossteil wohl am system wie sollte es auch anders sein ... aber ist voll scheisse dass wieder der kleine bürger auf der strecke bleibt .... gibt es nur noch die alternative privatpraxen ... die kosten zwar ne menge mehr ... aber wie ich finde sollte einem die eigene gesundheit mehr wert sein als ein neues auto oder so

auf jeden fall werden nächstes jahr, egal wer die 10 euro bekommt .. weniger leute zum arzt gehen (die armen hypochonder was solln die jetzt nur machen ?)

aber das ist scheisse ... denn die wenigsten werden dann aucvh die 10 euro mitbringen denke ich mal ... aebr der arzt ist gesetzlich gezwungen zu behandeln .. das beisst sich doch .. da kann er die ja ned einfach wegschicken und verliert dann noch dran wenn er die leute behandelt .. so ein dummfug ist das
 
da kann er die ja ned einfach wegschicken
Kommt drauf an.....
Ein Kassenarzt ist verpflichtet aufgrund seiner Zulassung als solcher, alle Kassenpatienten zu behandeln. Nur wenn ein triftiger Grund vorliegt, kann er das verweigern.
Beim Privatarzt besteht KEINE Behandlungspflicht. Weder im öffentlichen Recht noch gemäß des Standesrechts.

Und die Einziehung der 10€ zeigt wieder mal, wie man Ärzte schlicht instrumentalisieren kann. Wie er derer habhaft wird, wenn der Patient kein Geld dabei hat, oder vorgibt keins zu haben, wäre die Frage. Am Ende des Tages hat der Arzt nach 80 Patienten 800€ rumliegen, die ihm nicht gehören, für die er aber verantwortlich ist. Ein Raub wurde schon für weniger begangen......


jeckyll
 
Bei uns im Hinterwaldkaff wurde neulich ein Pizzalieferant wegen ein paar Kröten überfallen und fast umgebracht.
Jetzt kann man sich als Arzt noch einen Wachmann in die Praxis stellen...

sam
 
Wenn ein Allgemeinarzt 80 Patienten am Tag behandelt besteht nach meiner Meinung ein grosses Problem. Entweder verdammt dich die Tarifstruktur zur solch einer "Abfertigung" oder du bist wirklich ein Abzocker.
Das Thema Geld in der Praxis wird in Frankreich problemlos gehandhabt zu zahlst dort sofort. In der Schweiz, je nach gewählten System ist der Patient der Gläubiger, und da gibt es schon den einen oder anderen schlechten Zahler. Kassiert das Geld von der Versicherung und zahlt die Rechnung nicht. Solche siehst du einmal, denn du kannst einen Patienten nicht nehmen. Wenn du konsequent bist hältst du dir die säumigen Zahler vom Leib und der Rest kommt trotzdem. Wenn in D du jemand nach Hause schickst wenn er die 10 Euro nicht hat ist mit Sicherheit deine Praxis nicht leer.

Das ganze Thema ist ja sowieso nur der pure Sozialneid der immer wieder schön von manchen politischen partein propagiert wird. Verdienen ja, aber nur nicht mehr als ich selbst. Die Summe die dann als zuviel angesehen wird variiert mit dem Einkommen des Neiders.

Eins ist aber klar kaum hat solch einer ein Wehwehchen muss sofort alles unternommen werden koste es was es wolle, zahlt ja eh die Allgemeinheit.

Habe vorhin auf ein Post geantwortet wo einer sich die Beine verlängern lassen möchte für 85'000 Euro und findet er hat das RECHT darauf.

JK
 
Hast du ´ne Ahnung........
Der Durchschnitt beim Hausarzt sind 75 Patienten/Tag. Und wenn Grippezeit ist stehen montags 100 vor der Tür!

jeckyll
 
Am schlimmsten ist es mit dem Notruf.
Da sind (habe ich mal gesehen), glaube ich nur ca. 30% der Fälle echte Notfälle...:rolleyes:
Einer war fröhlich am Bier saufen, hatte seit 3 Tagen nen dicken Fuß und war am stinken wie nichts Gutes.
SOFORT DEN NOTARSCH ANRUFEN!!! :eek: :eek: :eek:
 
@jeckyll

Gut, andere Länder andere Zahlen. Meine Referenz ist die Schweiz, dort sind die Zahlen für den Hausarzt etwa 30-40 Patienten pro Tag. Bei 8 Stunden Patientenpräsenz, Papierkram nicht eingerechnet macht das 12-15 Minuten pro Patient, im Durchschnitt. In dieser Zeit eine Anamnese zu machen eine klinische Untersuchung, eventuell noch eine para-klinische Untersuchung anordnen (Rx, Lab, EKG) und den Patienten noch zu informieren heisst gut und schnell Arbeiten. Jetzt im Winter dauert es ja schon 5 Minuten bis manche Grossmuter ihre 100 Schichten mühsam ausgezogen hat. Bei 80 Patienten pro Tag die anscheinend Usus sind in D braucht man sich eigentlich nicht zu fragen warum bei dem einen oder anderen Patienten das Gefühl der Abfertigung auftaucht. Wie im vorherigen Post gesagt wenn eine solche Durchlaufzahl beim Hausarzt tariftechnisch bedingt dann ist doch das ganze System marode. In 5 Minuten ist schlicht unmöglich einem Diabetiker, einem Hypertoniker oder einem Asmathiker auch nur den Anfang einer Erklärung zu geben, die massgebend ist für Erfolg der kommend Behandlung (sprich compliance). Schlussendlich ist das noch Gesundheitskostenfördernd, denn der unzufriedene Patient wird mehrmals hintereinander kommen wollen oder unnötigerweise zum Spezialisten überwiesen werden wollen.

mfg jk
 
A

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Re: Zahnschmertzen
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