Kinder, Kinder....
LC für Diabetiker. Klar ist das die Offenbarung für einen übergewichtigen Typ 2 Diabetiker. Wenn der seine Lebensweise nicht komplett umstellt, kann er nicht mal sein ohnehin schon schlechtes Niveau halten. Natürlich bekommt er gute BZ-Werte, wenn er seine KH-Zufuhr radikal einschränkt. Wo kein zusätzlicher Zucker, da kein erhöhter Insulinbedarf. Also braucht er auch keine/weniger Medikamente, die hier angreifen. Es ist ganz einfach, sich nur noch mit dem Surrogatparametern BZ und HbA1c auseinanderzusetzen. Die kann man leicht messen und da die ja gut sind, hat man die Befriedugung, die man anders nicht bekommt. Das Dumme ist, daß die meisten übergewichtigen Typ2 Diabetiker ihr Problem nicht verstehen, viele Ärzte es ihnen nicht nahebringen können und dann beide frustriert sind. Der Diabetiker versteckt sich hinter LC und der Arzt hinter seinem Rezept.
Diabetiker ernähren sich von Diätlebensmitteln, weil sie es nicht besser wissen. Oder andersrum, weil man es ihnen nicht besser beigebracht hat. Die sind so überflüssig wie nur was. Sie lassen sich aber verkaufen, weil genug Menschen für sie bezahlen. Die Nachfrage bestimmt das Angebot, genauso wie bei low-fat Produkten und bei den low-carb Produkten.
Die LC-Welle in den USA ist eine fast logische Konsequenz aus der No-Fat-Welle, als selbst auf den Wasserflaschen "cholesterol-free" draufstand. Natürlich wird es nichts, wenn man KH satt in sich hineinstopft. Und natürlich wird es auch nichts, wenn man Fett satt runterschluckt. Bei beidem ist es aber relativ einfach, was das Denken angeht. Bei low-fat war zwar genug Brennstoff fürs Gehirn vorhanden, nur wurde es nicht benutzt. Nun fehlt zwar initial der Brennstoff bei low-carb, aber mittlerweile hat man verlernt, das Hirn überhaupt zu benutzen, also nicht so schlimm.

Was ich damit sagen will ist, es ist dem Durchschnittsmenschen viel leichter eingängig zu machen, daß von EINEM zu viel gegessen in Problemem resultiert, als ihn mit der Fülle der eigentlichen Komplexität völlig zu verwirren. "Fett ist schlecht" kann man sich genauso gut merken wie "Zucker ist schlecht". Richtig ist beides nicht.
Aber auf beides kann man recht einfach reagieren. Werde ich von mehreren Seiten angegriffen, laufe ich lieber weg, sonst bekomme ich eine Tracht Prügel. Wenn ich nur aus einer Richtung angegriffen werde, kann ich mich im Zweifelsfall noch wehren.
Der Durchschnittsmensch ist ganz einfach zu beeinflussen. Er kann die Informationen nicht kritisch hinterfragen, da ihm das notwendige Hintergrundwisssen fehlt (und es ihm auch nicht zur Verfügung gestellt wird).
Eine gut klingende "Pseudologik" hat man schon immer gerne mitgenommen.
Es ist schon lange bekannt, daß Formen der ketogenen Diät (und es ist eine Diät!) auch über Jahre hinweg keine großen Schäden anrichten. Hier sprechen wir aber von Kindern. Daß sie unerwünschte Begleiterscheinungen haben kann ist genauso bekannt. Was bei Erwachsenen passiert, die diese Diät über Jahre/Jahrzehnte praktizieren, ist nicht bekannt. Aber nachdem ja Millionen von Amerikanern mittlerweile als Versuchskaninchen fungieren, brauchen wir nur abzuwarten. Wenn sie es lange genug durchhalten, werden wir 2010 erste Daten auswerten können, die werden dann wohl 2012 zu lesen sein. Könnte ein interessanter Aktikel im Nature oder New England Journal of Medicine werden. Es gibt sicher auch einige Zwillingpaare, wo der eine low-carb, der andere low-fat praktiziert. Ich bin gespannt.
Bis dahin mag jeder seiner Philosophie folgen. Es wird sich hier kein low-carb Anhänger vom Gegenteil überzeugen lassen. Ich bin schon froh, wenn die low-fat Verrückten langsam weniger werden.
Und die Diskussion, wozu der Körper KH braucht, bringt uns hier auch nicht weiter. Viele mit dieser (kritiklos übernommenen) Argumentation haben bis heute die Grundlagen nicht begriffen. Man kann sich zwar darüber streiten, ob die Zufuhr im üblich praktizierten Umfang nötig ist (50-60 Energie%), aber gebraucht werden KH ohne Zweifel. Ohne darauf jetzt näher einzugehen sei nur die Gluconeogenese erwähnt. Ohne die Notwendigkeit eines zumindest absoluten Minimums wäre dieses Notaggregat des Körpers auch unnötig.
Bleibt zu hoffen, daß die Frage nach der Notwendigkeit vor den KH bereits für Nikotin, Coffein und Alkohol beantwortet wurde. Auch hier freue ich mich schon auf den nächsten Spezialisten im Biergarten, der mir von der Unsinnigkeit der KH erzählt und dann "Fräulein, noch ´ne Maß" schreit uns sich die nächste Kippe ansteckt. So geschehen letzte Woche. Man freut sich ja schon über Kleinigkeiten.
jeckyll