@Vivec: Anscheinend ist erstmal wichtig, die Begrifflchkeiten zu klären.
Ich habe mich ausschließlich auf das Dehnen (für unsere Untersuchung hier ist es ohne Belang, ob wir vom dynamischen oder vom statischen Dehnen [ welches untergliedert ist in passiver Methode und propriorezeptive neuromuskuläre Fazilitationsmethode]) an trainingsfreien Tagen bezogen.
Von daher will ich hier den Streitpunkt nicht auf den Sachverhalt verlagern, dass Dehnen muskelprotektiv wirkt, noch, dass damit direkte Leistungssteigerung einhergeht.
Streitpunkt ist:
Dehnen is doch längst überholt! ... Kann ich mir schwer vorstellen dass Dehnen nachweisbare Vorteile bringt
Diese
Behauptung ist schlicht und ergreifend
falsch!
Vorteile des Dehnens sind:
1. Reduktion der Dehnungsspannung, was als verbesserte Entspannungsfähigkeit und damit als verbesserte Regenerationsfähigkeit zu interpretieren ist. (Vgl. Wydra et al. 1999; Vgl. Wydra et al. 1991. Eine durchgeführte Vergleichsstudie, bei der die ischiokrurale Muskelgruppe untersucht wurde und eine Verbesserung der Hüftflexion gezeigt werden konnte.)
2. Verhinderung einer "Muskelverkürzung".
Es ist richtig, dass diese Thematik kontrovers diskutiert wird und es besteht keine einhellige Meinung darüber. Bei der Betrachtung muss aber unbedingt zwischen Verkürzung des Muskels und einer muskulären Dysbalance unterschieden werden.
Muskeldysbalancen lassen sich in der Tat nur durch Training der Agonisten und Antagonisten beheben. Ausserdem sind "Muskelverkürzungen nicht immer Ausdruck echter anatomischer Muskelverkürzungen" sondern stellen eher zweckorientierte Reaktionen des Körpers dar.
Mit Muskelverkürzung ist vielmehr der Umstand gemeint, dass die Rezeptoren der Sehnen durch erhöhtes Muskelwachstum (welches ja bei uns Bodybuildern vermehrt auftritt

) vorbelastet sind.
3. Verbesserung der Beweglichkeit (klarer Punkt, den du dem Anschein nach vergessen hast (oder wolltest).
4. verbessertes "Muskelwachstum" (und nochmal Dehungsspannung) betreffend.
Anführungszeichen, weil auch hier die Meinungen auseinander gehen bzw. noch keine genau formulierbaren Theorien abgeleitet werden können, da der Forschungsstand hierzu noch nicht weitreichend genug entwickelt ist.
Durch mulekularbiologische Untersuchungen konnten allerdings neue und äußerst relevante Erkenntnisse gewonnen werden. So entdeckte man neben dem Aktin und dem Myosin ein drittes Filament im Sarkomer: das Titin, was die Myosinfilamente mit den sogenannten Z-Scheiben (sollte Leuten, die sich mit der Muskelfunktionslehre tiefergehend beschäftigen, bekannt sein) verbindet. Diese Titinfilamente arbeiten im Muskel als mulekulare Federn und sind die Quellen der Ruhespannung. Untersuchungen haben gezeigt, dass Berechtigung besteht, eine Sarkomerverlängerung bzw. Addition dieser anzunehmen.
Zusammenfassend lässt sich also sagen:
Nicht nur aufgrund von jahrzehntelanger Erfahrung von so gut wie allen Bodybuildern und anderen Leistungssportlern, sondern auch mit Bezugnahme auf wissenschaftliche Untersuchungen (so sehr diese noch in den Kinderschuhen stecken) kann eine die positive Wirkung des Dehnens auf die gezeigten Bereiche nicht negiert werden.
Deine Ansicht der Dinge ist demnach falsch und deine anfängliche Hypothese:
Dehnen is doch längst überholt!
falsifiziert.
Und nu brauch ich was zu futtern
