Meine erste mir sehr wichtige Frage...

Bollundus

New member
Hallo Ihr Lieben,
ich bin seit einigen Wochen im Forum angemeldet und habe es auch schon ziemlich intensiv durchforstet. Heute ist wieder mal einer dieser" Tage"...Ich berichte Euch mal von meinem Problem, mal sehen, ob Ihr was damit anfangen könnt und einen Rat habt.Ich bin seit einem Jahr in einem Fitneßstudio angemeldet. Habe bis dahin keinen Sport getrieben außer mal radfahren und gehe jetzt fast jeden Tag ins Fitneßstudio. Wirklich meistens fünf oder sechs Tage die Woche, anfangs auch sieben, und zwar eine Stunde radfahren aber ordentlich, d.h. danach bin ich tierisch fertig und danach mache ich einen Probelmzonengymnastik-Kurs mit und vielleicht noch ein paar Geräte. 1x die Woche Spinning.
Naja, jedenfalls bin ich eigentlich recht gut trainiert, bin schlank, habe zwar ein paar "Problemzonen", aber welche Frau hat die nicht...
So. Mein Problem ist aber, daß ich mir einfach keinen Tag Pause in der Woche zugestehen kann.
Ich habe den ganzen Tag ein schlechtes Gewissen (wie heute) wenn ich nicht gehe. Ich versuche mich öfter, bewußt an diesen Tagen zu entspannen (Sauna, Schwimmen gehen, Kino usw.) aber es gelingt mir einfach nicht. Ist das nicht strange? Habt Ihr ähnliche Erfahrungen gemacht und wenn ja, was hat Euch eventl. dabei geholfen, von diesem Sich-Selber-Quälen wegzukommen??
Sorry für die lange Nachricht, womöglich erscheint sie Euch auch noch sinnlos (oje), aber das sind im Moment die Flausen in meinem Kopf...
Danke und noch einen schönen Abend.
 
Ja das kenn ich auch. Sobald ich mal nen Tag aussetze habe ich gleich ein schlechtes Gewissen. Ich hab dann immer die Befürchtung wenn ich keinen Sport mache nehme ich zu ... =/
 
Das ging auch mir

liebe Bollundus,
am Anfang ganz genau so. Bis dann das Phänomen "Übertraining" kam und mir ein erfahrenen Fitnesssportler den Rat gab, mindestens zwei Tage in der Woche auszusetzen. Wenn es gar nicht anders gehen würde, halt ins Studio gehen, aber nicht aktiv trainieren. Nur sitzen, Wasser trinken, plaudern...... Mir hat`s geholfen. Heute trainiere ich nur noch 2 - 3 mal die Woche für 45 Minuten. Bei entsprechendem Einsatz reicht das aber dann auch.
Gruß Rainer
 
Hallo Du Liebe :winke:,

wenn Du das Forum tatsächlich intensiv durchforstet hast, bist Du doch sicher auf folgende Erkenntnisse gestoßen:

1. Wenn Sport schon zur Qual wird, läuft irgendetwas grundlegend schief (warte ein bisschen, die Zwangsstörungs-Fraktion hier im Forum wird sich sicher noch zu Wort melden).
2. Der Körper erstellt keine tägliche Energiebilanz. Ein Tag (sportlicher) Ruhe ist also keine Katastrophe, sondern im Gegenteil, zur Regeneration hin und wieder notwendig. Solange die Input/Output-Relation über einen längeren Zeitraum stimmt (ausgeglichene Energiebilanz) wirst Du auch an einem Ruhetag kein zusätzliches Fett ansetzen. Also kein Grund für ein schlechtes Gewissen.
3. „... vielleicht noch ein paar Geräte ...“ klingt nicht gerade nach intensivem Krafttraining. Dieses wird hier im Forum aber sowohl für Männlein als auch für Weiblein wärmstens empfohlen (keine Angst: Frauen entwickeln sich dabei nicht zu einem Muskelmonster). Hier solltest Du ansetzen. Wenn Du statt des in Fitness-Studios weitverbreiteten „Damenprogramms“ (z.B. 20, 30 Wh mit Minimalgewichten, 5 min. in einem Buch oder einer Zeitschrift lesen, nächster Satz, usw.) ein intensives Krafttraining durchführst (siehe z.B. Forumseinträge von Kurt zu „komplexe Hauptübungen“, „Abwärtspyramide“, oder von Klaus „Power to the people“), wirst Du froh sein, am nächsten Tag nicht schon wieder ins Studio gehen zu „müssen“ und die freien Tage kommen wie von selbst :winke:.

So long
Uwe
 
Glaub mir das gibt sich bald, das hatte ich die ersten 6-7 Wochen auch, aber jetzt schalt ich nen Gang zurück, es gibt auch noch anderes und irgendwann hängt dir "jeden tag fitnessstudio" ausm hals raus . Und lieber jetzt nen Gang zurück statt der Punkt with no return kommt und du ganz aufhörst weil du null bock mehr hast.
 
Re: Meine erste mir sehr wichtige Frage.../

Sagt mal, habt Ihr alle eigentlich keinen anderen Lebensinhalt
?????? Freunde??? Arbeit???? Hat Euer Tag 37 Stunden???? Woher nehmt Ihr die Zeit, Euch den ganzen Tag mit Eurem Körper zu beschäftigen???? Bitte gebt mir einen Rat, wie ich mit meinem Job von 08.00 - 19.00 Uhr, mit einer Stunde Mittag, den ich für die Nahrungsaufnahme brauche, ohne mein Sozialleben zu vernachlässigen, sooooooooo viel trainieren kann, wie Ihr!

Danke. Gruss, Miranda
 
Auch mir gings mal so...

...und zwar während und kurz nach meiner Eßstörung.
Ich befand mich für zu dick, und ich war fehlinformiert, daher entstand der Zwang, zumindest einmal täglich Sport zu machen. Ich befand mich regelrecht in einem Dilemma, wenn ich einen ganzen Tag zur Verfügung hatte, denn dann wußte ich nicht, ob ich schwimmen (eine Stunde oder zwei) oder Mountainbiken sollte. Meisten machte ich dann beides. Das ging soweit, dass ich sogar bei herannahendem Gewitter noch im See gegen die hohen Wellen ankämpfte, klar machte das keinen Spaß mehr (denn Angst überkam mich da schon).
Auch hatte ich davor eine Zeit, wo ich fast täglich 3 Std im Fitnesstudio anzutreffen war, und zwar in den Kursen (oh graus! wie langweilig für eine koordinationsbeherrschende wie mich! NIE WIEDER)
Ausdauermäßig war ich dann recht gut beinand, aber zu welchem Preis?
Meine sozialen Kontakte litten natürlich auch unter dieser "Zwangsbeschäftigung".
Geheilt hat mich eigentlich mein jetziger Partner. Er ist von Natur aus faul, hat aber das Glück, mit riesen Muskeln gesegnet zu sein (er tut fast nichts dazu!)
Er "lehrte" mich, dass ich kein schlechtes Gewissen zu haben brauche, wenn ich mal nichts tue (in meinem Elternhaus war das eine Schwäche). Und zwar war das "learning by doing" - klar flippte ich immer wieder nach mehrern Stunden im Bett (tagsüber), aber nun ist das für mich (im gewissen Ausmaß) selbstverständlich. Und ich fürchte mich auch nicht mehr vom Zunehmen, denn soweit kams garnicht.
"Mich selbst quälen" tu ich jetzt nicht mehr. Klar ist Sport heute nicht weniger anstrengend als früher, aber da ich nun Sport nicht mehr aus Zwang sondern aus Lust heraus betreibe, empfinde ich es nicht mehr als Last.
Den letzten Kick hat mir sicher auch das Forum hier gegeben: Die Wichtigkeit von Regenerationstagen war mir vorher nicht bewußt.
Mein Tipp: Versuch herauszufinden, warum du diesen Zwang zum Sport fühlst. Denk dabei möglichst "großräumig"! (es könnte ja auch so ein "Zwang zur Aktivität" wie bei meinem Elternhaus dahinterstehen)

LG Hexi
 
Hallo Du!

Einmal abgesehen davon, dass ich mich auch frage, woher Du die Zeit nimmst, ehrlich, es gibt auch noch ein Leben ausserhalb des Körperkults!
Sieh´s auf jeden Fall einmal so: Du brauchst Ruhetage, sonst bringt das alles nichts. Also gehören Tage ohne Training praktisch zum Trainingsprogramm! Ok?

*zwinker*
Meni
 
Nur die Ruhe!

Miranda, du denkst doch bitte nicht, dass diese Art von "Über"training erstrebenswert ist?
Es ist gar nicht notwendig, soviel zu trainieren.
Weniger ist auch hier oft mehr!
LG Hexi
 
wieso nicht tägliche Bilanz??

mir geht es genauso! ich will mich andauernd bewegen....aber dass dies nicht mehr normal ist, hab ich selbst gemerkt!
nun hab ich aber noch ne Frage, es wurde geschrieben, dass der Körper nicht eine Tägliche Energiebilanz aufstellt.....wie dann?

hach....es ist doch manchmal einfach ein graus, was sich da so alles entwickelt! ....*seufz*
 
Oh wie ich das kenne,...

...liebe Hexi, diesen als hohl empfundenen, standardisierten, tief verinnerlichten Anspruch an jede Tätigkeit, irgendeinen nicht mitvermittelten und damit abstrakten "Sinn" erfüllen zu müssen. Incl. Verdammung des Nichtstuns als "sinnlos" und damit verwerflich. Bei gleichzeitigem Appell an die gesunden Symptome einer gesunden Einstellung: "Beweg' Dich, Kind!" "Iß nicht soviel Süßes!" "Kuck nicht so viel Fernsehen!"
Daß diese als purer Ausdruck elterlicher Unzufriedenheit mißverstandenen Hinweise zu ernsten Problemen im Selbstbild Jugendlicher und damit auch zu Zwangsstörungen führen können, durfte ich am eigenen Leib erfahren.
Das Gute ist aber, daß man diesen ganzen ungeklärten Wust mit ins Erwachsenenalter mitnimmt und ab einer gewissen Souveränität und Selbstbestimmung die ehemaligen "Phrasen" mit Gehalt füllen kann. Das wird gerne und IMHO zynisch als "später Gehorsam" bezeichnet, ist aber nichts weiter als das Symptom einer Gesundung.

http://www.kallepister.de/totalgym.jpg
 
Re: Oh wie ich das kenne,...

Ja, lieber Kalle...in meiner family war Fernsehen und vor allem Nichtstun verpönt, weil es nicht zur "Bildung" und "Herzensbildung"(durch Kulturverantstaltungen) beitragen soll. Der gesundheitliche Aspekt ("beweg dich") stand dabei abseits.
Ideale Voraussetzungen für jede Art von Eßstörung. Und dabei wollten unsere Eltern nur gutes für uns!
Nachdem es mir eine Zeitlang eher um "späten UNGehorsam" ging, bin ich nun soweit "frei", dass ich mit Frische selbst an "hochkulturellen Freuden" wie Opernmusik herangehen kann (zugegeben ebenfalls eine Co-"Leistung" meines Partners, der mit einer begeisternd unkonventionellen, verständnisvollen und frechen Art in solch "seriöse" Unterhaltungsformen eintaucht.) Insoweit hast du mit der "Sinngebung" wohl auch recht.
 
Die tägliche Energiebilanz

liebe/r Anonym
registriert der Körper schon, diese kann aber problemlos am nächsten oder übernächsten Tag ausgeglichen werden. Daher ist es sinnvoller, die Bilanz wöchentlich oder 14 tägig zu ziehen, "um auf dem Laufenden zu bleiben".
Gruß Rainer
 
siehe "Sportsucht" und "Anorexia athletica"

im archiv, weiters die einträge zu "kognitive verhaltenstherapie". die hast du nämlich nötig, da du an einer zwangsstörung leidest.
gruß, kurt (der relativ wenig trainiert, das faulsein genießt und trotzdem keinerlei fitness- und figurprobleme hat)
 
Harte Worte...

Ich kann mir ja gut vorstellen, dass Du recht hast, aber kannst Du das bitte, bitte nicht ein bißchen netter formulieren?
Ich denke mir halt nur, wenn jemand vielleicht eh schon etwas mitgenommen ist, dann sind Deine Worte im ersten Moment " wie ein Schlag ins Gesicht" , mußte selber erst mal schlucken...
Ich glaube halt auch, dass die Übergänge fließend sind, ich mache auch viel Sport, an manchen Tagen zwar nur Yoga, aber darauf verzichten möchte ich auch nicht so gerne.
Ich denke eigentlich nicht, dass ich eine Ess- Störung habe, der Kcal- Verbrauch beim Sport interessiert mich nicht; auch nicht, wieviele Kcal ich gerade verspeist habe.
Ich habe mir die Einträge im Archiv auch teilweise durchgelesen, kann man nicht sagen, dass eine Sportsucht dadurch charakterisiert wird, wenn man gegen das eigene Gefühl der Ermüdung antrainiert, bzw. darüber hinaus ( den Körper also über die eigenen Grenzen hinweg strapaziert)?
Es ist halt auch so widersprüchlich, bei den Fragen: Wie oft joggen? war z. B. durchaus die Antwort: Jeden Tag ist möglich, halt nicht immer so intensiv etc...
Kann man vielleicht zusammenfassend sagen:
Es kommt halt auf die Einstellung und die Gründe für den Sport an, powert man sich aus bis zum bitteren Ende, und zwar täglich, ist es wahrscheinlich, dass eine Sportsucht vorliegt?
Sorry, ich musste einfach noch was dazu schreiben...
Yola
 
die Wahrheit ist manchmal hart...

liebe yola,
schönfärberei ist hier fehl am platz, vielmehr sind klare worte wichtig. in diesem forum geht es um objektive information.
deine definition der sportsucht ist falsch. ein "auspowern" ist nicht der springende punkt (das tun leistungssportler auch), sondern der zwang zum sport, weil man sonst ein "schlechtes gewissen" hat (lies dir bollundus' postings nochmals durch und du wirst sehen, was ich meine).
lg, kurt
 
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