In den meisten Fällen kann man Patienten und deren Eltern beruhigen Pubertätsgynäkomastie erfordert Geduld
Ist ein pubertierender Junge verzweifelt, weil ihm plötzlich Brüste wachsen, kann man ihn trösten: Meist verschwindet eine Pubertätsgynäkomastie von selber wieder.
Leiden junge Männer stark unter ihrer Gynäkomastie, ist eine Op. in Betracht zu ziehen. Foto: KES
09.01.07 - "60 bis 70 Prozent aller Jungen entwickeln während der Pubertät eine Brust. Dieses Phänomen ist physiologisch, wie Prof. Rolf Peter Willig vom Endokrinologikum in Hamburg in ÄP Urologie (5 [2006] 16) betont. Die verantwortlichen Östrogene stammen aus Hoden, Nebenniere und dem Fettgewebe. Die dort ansässige Aromatase wandelt Testosteron in Östrogen um, weshalb übergewichtige Jungen häufiger zur Gynäkomastie neigen.
Als Ursache für das vermehrte Brustwachstum wird eine Rezeptorstörung diskutiert. Man geht davon aus, dass Jungen mit erheblicher Gynäkomastie mehr oder empfindlichere Östrogen-Rezeptoren besitzen. Ergo führen bereits kleine Hormonmengen zum Brustwachstum.
"Die Pubertätsgynäkomastie wird ausgeprägt und persistierend sein, wenn die Östrogen-Rezeptoren im Vergleich zu den Androgen-Rezeptoren überwiegen", so Willig. Auch wenn der Leidensdruck der Betroffenen bisweilen hoch ist, handelt es sich bei der Pubertätsgynäkomastie um einen physiologischen Prozess, der sich in den meisten Fällen spontan zurückbildet.
Wichtige Frage: Ist die Schambehaarung schon da?
Grundsätzlich ist zu unterscheiden, ob die Gynäkomastie beginnt, bevor oder nachdem sich bei dem betroffenen Jungen die Schambehaarung entwickelt hat. Übermäßiges Wachstum der Brust bei fehlender Schambehaarung ist immer pathologisch und erfordert deshalb eine genaue Abklärung.
Gynäkomastie bei vorhandenem Schamhaar erfordert zum Ausschluss pathologischer Ursachen folgende Untersuchungen:
Untersuchung der Hoden (Palpation, Ultraschall)
Hormonbestimmungen (Östron, Östradiol, Testosteron, Luteinisierendes Hormon, Follikel-stimulierendes Hormon, Thyreoidea-stimulierendes Hormon, Prolaktin)
Chromosomen-Analyse (Ausschluss eines Klinefelter-Syndroms)
Röntgenbild der Hand (Bestimmung des Knochenalters)
Sonografie der Nebenniere (Tumorausschluss).
Daher sollte man - wenn andere Ursachen einer Gynäkomastie ausgeschlossen sind - grundsätzlich zwei Jahre warten, bevor man therapeutische Maßnahmen ergreift. Ist eine Behandlung erforderlich, stehen Aromatasehemmer, Antiöstrogene oder lokale Androgen-Salben zur Verfügung.
Bei ausgeprägter Gynäkomastie sind die genannten Substanzen aber nicht ausreichend effektiv. Für Jungen, die unter ihrer Gynäkomastie stark leiden, sollte man daher eine Operation erwägen. Dabei muss nicht nur der Drüsenkörper entfernt, sondern auch das Fettgewebe abgesaugt werden - sonst bleibt das kosmetische Ergebnis mangelhaft. Dr. Daniela Kandels