Fett verbrennt im Feuer der KH?

jogger

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Aus einem Thread - Antwort von jeckyll

Die Fettverbrennung ist kein isolierter Vorgang. Fett verbrennt im Feuer der Kohlenhydrate. Für die Einschleusung des entstandenen Acetyl-CoA (aus der Beta-Oxidation der Fettsäuren) in den Citratzyklus ist eine Substanz nahmens Oxalacetat in entsprechender Konzentration notwendig, die aus dem Kohlenhydratstoffwechsel entsteht. Bei einen relativen Mangel an Oxalacetat "staut" sich das Acetyl-CoA sozusagen vor der Tür zum Citratzyklus und kommt nicht rein. dabei werden dann alternativ die Ketonkörper gebildet.
Auch morgens vorm Frühstück ist der Glykogenspiegel nicht auf Null. Du kannst den Körper nicht zur Fettverbrennung zwingen. Sicherlich ist es problematisch, wenn die Leberglykogenreserven erschöpft sind, den Blutzuckerspiegel zu regulieren. Hier setzt verstärkt die Gluconeogenese ein, wobei aus (glucoplastischen) Aminosäuren Glucose hergestellt wird. Nüchterntraining kann eingesetzt werden, um den Fettstoffwechsel zu trainieren. Das setzt aber lange Trainigseinheiten bei niedriger Intensität voraus. Ein trainierter Ausdauersportler kann recht schnell große Energie aus der Fettverbrennung beziehen und damit die wervollen Glykogenreserven schonen. Somit würde ein gut Trainierter von einem Nüchterntraining sogar eher profitieren als ein Anfänger, da jener schneller mehr Fett zur Energieverbrennug heranziehen kann. Er kommt damit nicht so schnell in die "Verlegenheit" der Gluconeogenese.

Zum Unterschied Fettverbrennung/Fettabbau: Wenn du Fett abbauen willst, brauchst Du eine negative Energiebilanz. Mußt also mehr verbrennen als zuführen.
Die Fettverbrennung ließe sich auch steigen, indem man vermehrt Fett konsumiert. Dann werden aber die im Blut zirkulierenden Fettsäuren zuerst verbrannt, nicht die im Depotfett gspeicherten. Der Körper greift seine Depot nur im Notfall an. Wenn er es vermeiden kann, läßt er es. Man kann also damit eine hohe Fettverbrennung erzielen und trotzdem nicht abnehmen.


Frage: Wenn ich richtig interpretiere, bedarf es ein gewisses Maß an KH um die Fettverbrennung anzuheizen.
Bei der Ketodiet KH<10 g/T glaube ich ist dieses Maß nicht gegeben, jedoch scheint die Diät zu funktionieren.
Ist dies ausschließlich auf die neg. Kalorienbilanz zurückzuführen?
 
Bin da zwar nicht der Experte, aber soviel ich weiss, gibt es bei der ketogenen Diät immer wieder einen Kohlehydrate-Aufladetag,
der die leeren Speicher füllt.
 
Der Fettverlust während einer ketogenen Diät ist auf das Kaloriendefizit zurückzuführen, wie jeglicher Gewichtsverlust.

"Fett verbrennt im Feuer der Kohlehydrate" ist eine nette Phrase, aber nicht wirklich richtig. Die obigen Ausführen bedeuten lediglich, daß bei KH-Mangel aus Fettsäuren Ketonkörper hergestellt werden. Das heißt noch lange nicht, daß man Depotfett abbaut.

Ach ja, Ladetage während einer ketogenen Diät sind BB spezifisch und für einen Fettverlust natürlich nicht notwendig.

Spin
 
ist das kaloriendefizit wirklich der alleinige faktor zum abbau von körperfett? das würde heißen, dass alle theorien bezüglich insulin, steuerung der kohlenhydratzufuhr (abends keine kh mehr usw) und alles hinfällig sind...

und noch eine idee: jekyll hat geschrieben, dass man mit einer höheren zufuhr von nahrungsfett erreicht, dass der körper mehr fett verbrennt, also quasi die fettverbrennung lernt (ist ja auch prinzip der ad).
wenn man das eine weile macht, so dass sich der körper wirklich auf fettverbrennung eingestellt hat, und sich dann plötzlich sehr fettarm ernährt, müsste der körper doch eigentlich automatisch auf depotfett umsteigen, zumindest für einen gewissen zeitraum, oder nicht?
 
Naja, es ist einfach ein physikalisches Gesetz - Energie wird weder erzeugt noch vernichtet, sondern nur umgewandelt. Wenn mein Körper also einen Energieumsatz von 3000 Kalorien hat und ich nur 2000 Kalorien zuführe, müssen die restlichen 1000 Kalorien aus körpereigenen Reserven kommen. Was man beeinflussen kann, ist woher der überwiegende Teil der fehlenden Kalorien gewonnen werden, aus Fett oder aus Muskeln. Und das kann man mit Ernährungsplanung steuern. Das gilt natürlich auch für den Muskelaufbau - bei Kalorienüberschuss kann Fett oder Muskulatur aufgebaut werden. Und hier bestimmt auch die Art und Weise der Nahrung und ihrer Aufnahme die Art des Gewebeaufbaus (natürlich auch das Training, Regeneration usw.)

Um es kurz zu sagen: zum Gewichtsverlust (Fett und Muskelgewebe) reicht ein Kaloriendefizit - das ist alles. Wenn es aber darum geht, Fett zu verlieren und möglichst wenig Muskeln, sieht die Sache schon anders aus.

Zur Fettverbrennung durch erhöhte Fettzufuhr:
Es gibt Hinweise, daß das tatsächlich der Fall ist. Viele "Ketarier" können mehr Kalorien in Form von Eiweiß und Fett essen, ohne daß sie zunehmen. Da spielen aber auch andere Faktoren eine Rolle:
- der Stoffwechsel beschleunigt sich durch die erhöhte Kalorienzufuhr
- in Ketose wird ein Teil des Fettes zu Ketonkörpern umgewandelt, ein Prozess der energetisch ungünstig ist -> 1kg Fett liefert nur ca. 7000 statt 9000 Kalorien.

Die Fettverbrennung muss der Körper allerdings nicht lernen, die kann er immer. Wieviel hängt von der Ernährung ab. Während einer Keto hat der Körper nur Fett, natürlich benutzt er es dann auch.

Wenn du dich nach einer Keto plötzlich sehr fettarm ernährst entscheidet wiederrum die Kalorienbilanz. Der Körper ist sehr flexibel und stellt sich recht schnell um, das "verarschen" wird nicht lange funktionieren. Warum sollte er Fett benutzen, wenn er wieder ausreichend KHs bekommt? Fett wird der Körper immer zuletzt verwenden, so sind wir gebaut.

Spin
 
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