Die Entstehung der venösen Insuffizienz
Während die arterielle Blutströmung von der Kraft des Herzens erzeugt wird, muß der venöse Blutrückstrom zum Herzen sozusagen passiv erfolgen und außerdem muß er entgegen die Schwerkraft (hydrostatischer Druck) erfolgen. Dies ist erst durch die Venenklappen möglich. Durch die Muskeltätigkeit der Beine werden die dünnwandigen Venen bei der Muskelanspannung leer gepreßt und damit das Blut darin nach oben verdrängt. Die Venenklappen verhindern danach den Rückstrom des Blutes, so daß sich die Venen nur von unten wieder auffüllen können bis sie dann erneut leergepreßt werden. Man kann sich dies am besten mit einem Paternosteraufzug bildlich vorstellen. Im Bereich des Bauches und der Brust wird dann die Sogwirkung durch die Ein- und Ausatmungstätigkeit und die Herztätigkeit wirksam.
Diese Funktionsweise des Venensystems bedingt auch schon die häufigste Erkrankung, die Krampfaderkrankheit (Varikose), bei der nämlich die dünnen Venenwände zu weit werden und die Venenklappen ihre Schlußfähigkeit verlieren. Da dadurch dann eine längere Blutsäule auf den tiefer gelegenen Venenklappen und der Venenwand lastet, kommt es danach fortschreitend auch zu einer Ausweitung dieser Venenwände und einer Schließunfähigkeit dieser Venenklappen.
Häufigkeit der Krampfadererkrankung
Der Anteil von Venenerkrankungen in der erwachsenen Bevölkerung liegt zwischen 15 und 25%.
Ca. 6 Mill. Bundesbürger sind also venenkrank.
Eine schwere, behandlungsbedürftige Krampfadererkrankung liegt bei ca. 5% (1,5%Mill).
Einteilung der venösen Insuffizienz
Nach diesem Prinzip der Entstehung von Krampfadern und der Veneninsuffizienz wird die Stammvarikosis in 4 Stadien (Einteilung nach Hach) eingeteilt.
Das Stadium I entspricht einer Schlußunfähigkeit der Venenklappe an der Einmündung der großen oberflächlichen Hautvene an der Innenseite des Beines (V. saphena magna).
Stadium II bedeutet eine Insuffizienz der Venenklapen bis zum Knie,
Stadium III bis zum Unterschenkel und
Stadium IV bis zum Fuß.
Durch den kontinuierlichen Rückstrom des Blutes aus oberfächlichen Venen ins tiefe Venensystem kommt es zur Überlastung des tiefen Venensystems und schließlich führt dies zum chronisch venösen Stauungserscheinungen.
-Einteilung der chronisch venösen Insuffizienz (CVI)
Die Einteilung der chronisch venösen Insuffizienz (CVI) (nach Widmer) erfolgt in 3 Stadien.
Stadium I : Ödeme ("Wasser in den Beinen"),
Stadium II : typische bräunlich, bläulich dünne Haut (trophische Hautstörungen),
Stadium III :Unterschenkelgeschwür, "offenes Bein"(Ulcus cruris).
Beschwerdebild
Zur Behandlung der Krampfadererkrankung führen außer kosmetischen Gründen (auch hier ist jedoch ein Wunsch nach Behandlung völlig verständlich und gerechtfertigt) Beschwerden wie Müdigkeit, Beinschwere, gehäufte Wadenkrämpfe, in schwereren Fällen Ödeme und Spannungsgefühl, Hautveränderungen mit Juckreiz und schließlich schmerzhafte Ulcera crures. Der Reihenfolge der Häufigkeit nach treten Schmerzen, Schwellung, Schweregefühl, Krämpfe und Juckreiz auf.
Therapie von Venenerkrankungen
Bei der venösen Behandlung gehören zum Behandlungsspektrum Gymnastik, Bewegungsbäder, Unterschenkelgüsse und die Kompressionstherapie.
Konservative Therapie durch Kompressionsbehandlung
Wann ist eine Kompressionsbehandlung sinnvoll?
-Als vorbeugende Maßnahme bei Menschen, die beruflich viel stehen oder sitzen müssen, bei familiärer Vorbelastung und bei schwangeren Frauen.
-Bei Patienten mit beginnender Varikose.
Aus der Entwicklung der Varikosis geht hervor, daß besonders Personen gefährdet sind, die wenig körperliche Bewegung haben und eine vorwiegend sitzende oder stehende Tätigkeit ausüben.
Besonders ungünstig ist einengende Kleidung, die den venösen Rückstrom zusätzlich behindert.
Daraus ergibt sich der erste Ansatzpunkt in der Behandlung von Venenerkrankungen, die Kompressionstherapie. Am einfachsten wirkt man sich ausweitenden Venen entgegen, in dem man von außen Druck auf sie ausübt. Es gibt heutzutage auch modisch attraktive und völlig unauffällige Kompressionsstrümpfe, die problemlos am Arbeitsplatz getragen werden können. Die Kompressionsstrümpfe werden nach ihrem Anpreßdruck in 4 Kompressionsklassen eingeteilt .
Bereits die Kompressionsklasse I mit dem leichtesten Gegendruck kann eine erstaunliche Wirkung haben. Die meisten Beschwerden einer beginnenden Krampfadererkrankung können damit behoben werden bzw. eben auch eine optimale Vorbeugung gegen eine weitere Verschlechterung betrieben werden.
Der Anpressdruck bei Kompressionsklasse I beträgt 20 mmHg. Bereits dieser geringe Druck führt dazu, daß die oberflächlichen Venen entleert bleiben und das Blut hauptsächlich über die tiefen Venen abfließt, die dadurch auch einen wesentlich höheren Blutfluß haben. Dadurch wird auch einer Gerinnselbildung im Venensystem (Thrombose) vorgebeugt. Mit entsprechenden Kompressionsklassen kann fast jede Krampfadererkrankung suffizient behandelt werden. Diese Strümpfe sind in allen Längen und Weiten oder auch als Kompressionsstrumpfhose verfügbar.
Ein Kompressionsstrumpf sollte natürlich nicht ein Alibi für eine mangelnde Bereitschaft sich ausreichend zu bewegen sein.
Aber z.B. am Arbeitsplatz ist es nun vielfach nicht möglich, sich ausreichend zu bewegen. Bewegung ist die beste Vorsorge gegen eine Verschlimmerung des Venenleidens. Eine zusätzliche Kompression kann jedoch auch beim Sport den Effekt noch steigern. Bei körperlich schwerer Berufsarbeit (also viel Bewegung) fanden sich ein Drittel weniger Venenerkrankungen als in der Gesamtbevölkerung.
Konservative Therapie durch Venenverödung
Domäne der Verödungsbehandlung (Sklerosierung) sind die vorwiegend kosmetisch störenden Varizenformen der oberflächlichen Seitenastvarikose, der netzförmigen (retikulären) Venenzeichnungen und der Besenreiser-Varizen.
Ein Dauerverschluß einer insuffizienten V. saphena magna Mündung und von insuffizienten Verbindungsvenen ist durch eine Sklerosierung nur schwer zu erzielen.
Die Behandlung von kleinen oberflächlichen Venen ist durch Einspritzen von Sklerosierungsmedikamenten in die Vene, durch Elektrokoagulation, sowie durch eine Lasertherapie möglich. Beide Verfahren benützen die Hitze-"Verkochung" als therapeutisches Prinzip. Beim Argon-Laser ist der Erfolg bei roten Gefäßzeichnungen günstiger als bei bläulichen, da das Strahlenspektrum im blau-grünen Bereich mit einer Wellenlänge von 500 - 600 nm liegt. Vorteil der Lasertechnik ist, daß sie Hautkontakt vermeidet und einen geringeren Hautschaden setzt als die Elektrokoagulation.
Diese Therapieprinzipien kommen nur bei oberflächlichen Venenzeichnungen, Besenreiser- und retikulären Varizen in Frage und nicht bei ausgedehnteren varikösen Veränderungen.
Chirurgische Therapie der Varikose ohne Unterschenkelgeschwür (Ulcus cruris)
Die chirurgische Behandlung der Varikosis hat ihre Domäne in der Behandlung von Mündungsklappeninsuffizienz von V. saphena magna und V. saphena parva, der sogenannten "Hauptkrampfadervenen" am Ober- und Unterschenkel.
Grundprinzip der Erkrankung ist die Schlußunfähigkeit der Klappen vor der Einmündung ins tiefe Venensystem. Diese führt zu einer Flußumkehr vom tiefen ins oberflächliche Venensystem und zu einer dauernden hydrostatischen Belastung der oberflächlichen Venen.
Ziel jeder chirurgischen Behandlung dieser Varikoseformen ist die Unterbrechung des pathogentischen Kreislaufes durch die Unterbindung und Beseitigung der insuffizienten Verbindungswege zwischen tiefem und oberflächlichem Venensystem, um somit ein Übergreifen der Veränderungen auf die wichtigen tiefen Beinvenen zu verhindern.
Gruss Skyguide