Was soll man davon halten?

Rainer

New member
Frage: Stimmt es, dass Kartoffeln dick machen? Ich versuche schon seit längerem abzunehmen und esse deshalb reichlich Kartoffeln. Jetzt hab ich gelesen, dass sie dick machen. Stimmt das?

Antwort: ( von Julia Janczak, Ernährungswissenschaftlerin, Hamburg ) "Neue US-Studien belegen, dass Menschen, die häufig Kohlenhydratreiches wie Kartoffeln essen, tatsächlich nicht abnehmen, selbst wenn sie kaum Fett zu sich nehmen. Grund:Nach kohlenhydratreichen Mahlzeiten steigt der Blutzucker rapide an. Das verhindert, dass Fett verbrannt wird."

Gruß Rainer

http://hutte.de/grafik/rainer.jpg
 
Insulin behindert die Lipolyse (Fettspaltung)

aus http://gin.uibk.ac.at/gin/freihtml/fettverbrennung.htm *g*

" Die gängige Empfehlung von fünf bis sechs Mahlzeiten täglich kann sogar im Einzelfall kontraproduktiv sein (v.a. bei deutlich Übergewichtigen, die eine Insulinresistenz aufweisen), da aufgrund der in diesem Fall ständig stimulierten Insulinsekretion der Fettabbau eher erschwert wird - Insulin fördert nicht nur die Aufnahme von Glucose (=Traubenzucker), Aminosäuren und Fettsäuren in die Körperzellen, sondern hemmt auch die Lipolyse = Fettspaltung. Diese kann demnach am besten bei niedrigem Insulinspiegel stattfinden, also im Nüchternzustand,und - zumindest theoretisch - auch die anschließende Fettsäureverbrennung. "

Aber wer isst schon den ganzen Tag Kartoffeln *g* - und trotzdem gilt diese komische Dingsbumsbilanz, na wie hieß sie doch gleich :lol:auch für Kartoffeln. Hört sich eher nach einem Wiederbelebungsversuch für den Glykämischen Index an.

Und wer die alte Regel beachtet, 2-3 Stunden vor dem Sport nichts mehr zu essen, hat dann auch einen niedrigen bzw. normalen Insulinspiegel.

Gruß

chianti
 
Also Rainer ?!

Hallo Rainer,
jetzt machst Du mich aber schon ein bisschen schwach. Nun ja, es ist schon spät und evtl. hast Du ja auch schon was getrunken. Schliesslich ist Freitag abend und es sei Dir gegönnt.

Aber jetzt zum Thema: Hast Du vergessen, dass alles von unserer ach so heiss geliebten, fast vergötterten Energiebilanz abhängig ist?

Die gute Frau Oekotrophologin lehnt sich hier recht weit aus dem Fenster wie ich finde. Hoffen wir mal für Sie, dass sie nicht rausfällt.

Da erinnere ich mich an einen Witz:
"Warum haben die meisten Frauen im Saarland einen fetten Arsch? Damit Sie beim Schnaken mit der Nachbarin nicht aus dem Fenster fallen!"

viele Grüße und gute Nacht,

Braveone

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Re: glykämischer Index

Hallo Chianti,

nur noch mal so aus Sicherheit für mich: Der glykämische Index ist also auch Unsinn? Ich denke da halt nur z.B. an meine heißgeliebten Gummibärchen und Weißbrot, ich dachte eigentlich schon immer, dass der Blutzuckerspiegel davon rapide ansteigt...?
Hmm, wenn mich nicht alles täuscht, habe ich auch schon gehört, praktisch als Gegenargument, dass man die Kartoffeln ja auch nie solo isst, da ist ja schon noch ´ne Beilage dabei, die verhindert, dass der Blutzucker schnell ansteigt. Aber was ist denn jetzt wirklich mit reinen KH, wie z. B. so Schaumzuckerzeugs ? Danke, Yola
 
Der GI ist wichtig für Diabetiker vom Typ I

heute IDDM (Insulin dependent diabetes mellitus), das sie ihre Insulingabe darauf einstellen muüssen.

Auch beim Gesunden gibt "Zuckerzeugs" einen Insulinpeak und einen relativ (zu niedrigem GI) steilen Blutzuckerabfall, so dass das Hungergefühl kurzfristig intensiver empfunden werden kann als 3 Stunden nach einem Vollkornmüsli. Über Glukagonausschüttung und Freisetzung der Leberglykogenreserven reguliert der Körper das aber wieder von selbst. Dumm nur, wenn man diesen kurzen Heißhunger mit Fettbomben wie Schokoriegeln oder industriellen "Zwischenmahlzeiten" bekämpft ...

Gruß

chianti
 
nein, vielmehr für Diabetiker vom Typ II !

denn der typ I-diabetiker spritzt sich heute vor jeder nahrungsaufnahme ein so rasch wirksames insulin, das jeden überschießenden BZ-peak abfängt. ein IDDM-patient kann im prinzip alles essen, genau wie ein nicht-diabetiker, und wann er will. er muss nur auf die insulindosis und die energiezufuhr aufpassen, um eine "insulinmast" zu vermeiden.
für den NIDDM hingegen hat der GI schon eine bedeutung, denn hier besteht aufgrund der insulinresistenz eine gestörte glucosetoleranz mit entsprechend hohem postprandialem BZ-anstieg, der besonders die mikrogefäße (niere, netzhaut) schädigt.
siehe meine ausführungen im archiv zu "NIDDM", "hyperinsulinämie", "insulinresistenz", "metabolisches syndrom".
gruß, kurt
 
nichts! Das haben Thomas und ich...

schon wiederholt gesagt! insulin hat nur eine hemmende wirkung auf die lipolyse, nicht auf die betaoxydation! der GI hat nur im falle einer insulinresistenz eine bedeutung, nicht jedoch für den stoffwechselgesunden. wie oft soll ich das noch sagen? (siehe mein posting an chianti)
und letztlich ist es immer nur die energiebilanz, die das schicksal unseres körperfettanteils bestimmt...
gruß, kurt
 
Re: Insulin behindert die Lipolyse (Fettspaltung)

ich seh schon, ich muss diese textstelle etwas revidieren und noch ausdrücklicher auf die insulinresistenz hinweisen.
gruß, kurt
 
Das ist klar,

lieber Kurt,
mir ging es nur um den "Überbringer" der Botschaft!
Ich hätt auch noch andere, z.B. eine Frau Dr. med Christine Graf, wissensch. Assistentin, und andere, die auch "haarsträubende" Infos, Ratschläge und Kommentare öffentlich abgeben.
Kein Wunder, daß der unbedarfte Laie bald nicht mehr weiß wem und was er glauben soll. Und immer mehr Ärzte springen auf den Zug der Nahrungsergänzungsmittel und Diäten und halten sogar Vorträge/ Verkaufsveranstaltungen ab.
Wie sollen normal gebildete Übergewichtige da noch die Spreu vom Weizen trennen können?
Und dann die "Ernährungsberater", "Gesundheitsberater" "Fachjournalisten", "Buchautoren"....usw.
Wem soll man glauben, an was soll man sich halten?
Hast Du ne Idee?

Ich meine natürlich nicht mich und auch nicht diese Seite oder das Forum.

Gruß Rainer

http://hutte.de/grafik/rainer.jpg
 
es stimmt...

...dass es für den laien schwierig ist, mythen zu erkennen, wenn sie plausibel vermittelt werden. mir ist das natürlich bewusst und kämpfe oft genug gegen windmühlen... aber genau deswegen werde ich meinen "feldzug" gegen mythen weiterführen! wenn ich in eine buchhandlung gehe und mir das angebot der ernährungs"experten" ansehe, wird mir schlecht und ich kriege regelrechte aversionen, genauso bei vortragsveranstaltungen dieser "experten".
was meine kollegen betrifft, die auf den kommerziellen zug der nahrungsergänzungsmittelindustrie aufgesprungen sind und die (auf keiner rationalen und wissenschaftlich fundierten grundlage basierenden) "orthomolekularmedizin" transportieren, so sind diese ein "rotes tuch" für mich. es ist eine schande, dass sogar manche (vermeintlich) renommierte kollegen sich kaufen lassen. ich kann nur jedem den guten rat geben, sich bei fragen über stoffwechsel und ernährung an wirkliche experten zu wenden, z.b. an die leiter einer stoffwechselambulanz an einer universitätsklinik, und nicht jedem guru - und klingt er noch so überzeugend - glauben zu schenken.
gruß, kurt
 
Obwohl es

lieber Kurt,
manchmal vielleicht ein Kampf gegen Windmühlen ist, bin ich froh, Dich in diesem Forum kennengelernt und auch weiterhin zur "Verfügung" zu haben!
Zumindest mir und meinem Bekanntenkreis sind Deine Kommentare und Informationen bisher äußerst hilfreich gewesen. Dafür danke ich Dir. Für Deinen "Feldzug" gegen Mythen zum Thema Übergewicht im Allgemeinen und med. Aufklärung im Besonderen wünsche ich Dir viel Kraft und einen langen Atem.
Gruß Rainer

http://hutte.de/grafik/rainer.jpg
 
Re: kh-verteufelungen...

was soll man zu diesem quatsch noch sagen? die verteufelung von kohlenhydraten scheint momentan ja in zu sein. wobei komplexe kh dann einfach mit "zucker" gleichgesetzt werden. kartoffeln, brot, nudeln, reis... das ist alles nur "zucker", darf man nich mehr essen. zitiert werden dann mal wieder irgendwelche "amerikanischen studien", "ärzte", "forscher" etc. die hamburger "ernährungsexpertin" scheint anhängerin der low-cab-ernährung bzw. der sog. Atkins-diät (kaum noch zufuhr von kh, dafür fett- und eiweißbetont essen) zu sein. leider wird diese kh-arme-diät zurzeit von ihren anhängern und "experten" äußerst geschickt vermarktet. ein normales abnehmen mit neg. energiebilanz bei ausgewogener kost wird als "mythos" und "altbacken" dargestellt, während atkins - obwohl es ja seine erkenntnisse sind, die überholt sein dürften - als hypermoderner stoffwechselspezialist gefeiert wird. die erklärungen, warum man mit wenig kh und fett-und eiweißorienierter ernährung angeblich abnimmt, hören sich für den laien erstmal einleuchtend und vor allem wissenschaftlich logisch an. erst recht natürlich, wenn die theorie von gewissen (pseudo-) wissenschaftlern und vereinzelt auch ärzten unterstützung findet.
die erklärung: umso mehr kh und zucker, umso mehr insulin, umso höher blutzucker-schwankungen ist natürlich nicht haltbar. genauso wie man nicht einfach schlussfolgern kann, dass der körper bei weitgehender streichung von kh (was ja bereits praktisch kaum möglich ist) von glukose- auf fettverbrennung ("ketose") umstellt und dies dann wiederum zum gewünschten abnehmeffekt führt.
PS: am lustigsten ist die aussage von low-kh-/atkins-anhängern, dass sie sich "in ketose befinden". :))) (aua :)) Um zu testen, ob sie sich auch wirklich "in ketose" befinden, holen sie sich aus der apotheke streifen, die sich verfärben, wenn genügend ketonkörper ausgeschieden werden, welche sich als "abfallprodukte des fettstoffwechsels" bilden sollen.
PPS bes. @ kurt: wobei mich das mit diesen Ketonkörpern mal interessieren würde. was ist das überhaupt, keton? und wozu dienen diese streifen aus der apotheke im eigentlichen sinne? (die hat man ja sicherlich nicht für low-cab-abnehmende hergestellt, die herausfinden wollen, ob sie "in ketose" sind, oder??)
lg viola
 
"Ketose", "ketogene Diät" -> siehe Archiv!

liebe viola,
über dieses thema habe ich mich schon - im wahrsten sinn des wortes - erschöpfend "ausgelassen". im archiv findest du seitenweise postings von mir. der begriff der "ketose" wird in diesem zusammenhang falsch verwendet, denn eine ketose ist eigentlich ein zucker mit einer keto-gruppe. gemeint ist vielmehr die ketonämie (erhöhte konzentration von ketonkörpern im blut, die im extremfall zur ketoazidose führen kann, wie es z.b. beim absoluten insulinmangel passieren kann, siehe IDDM) aufgrund einer gesteigerten lipolyse, wenn in der leber die vermehrt anfallenden freien fettsäuren zum teil in die sog. ketonkörper umgewandelt werden, die dann über den harn ausgeschieden werden (= ketonurie).
diese ketonkörper entstammen bei der ketogenen diät jedoch nicht abgebautem körperfett, wie die "atkinsjünger irrtümlich glauben, sondern dem zugeführtem nahrungsfett.
wie gesagt - im archiv habe ich schon ausführlich dazu stellung bezogen, und das nicht nur einmal...
deine ausführungen kann ich übrigens nur voll und ganz unterstreichen.
lg, kurt
 
langer Atem...

mal schau'n, wie lang ich den noch hab... jedenfalls gut zu wissen, dass thomas und ich mit dir, chianti, viola usw... tatkräftige unterstützung haben:winke:
gruß, kurt
 
Re: siehste...

...lieber kurt, auf die idee, erstmal ins archiv zu gucken, bin ich diesmal doch tatsächlich nicht gekommen. :))
vielen dank, dass du dir die mühe nochmal gemacht hast zu antworten. wieder ein stück klüger!: lg viola
 
diesmal gebe ich dir zum Teil recht

es ist traurig, dass viele kollegen den einfacheren weg gehen, indem sie die leute durch attraktiv klingende (in wahrheit jedoch unsinnige) aussagen und hokus-pokus-methoden für sich gewinnen. trotzdem sollst du wissen, dass man als arzt auch mit objektiver, fundierter information und "ehrlicher" medizin erfolg haben kann. aber dazu braucht es natürlich auch patienten, die kritikfähig sind und ein gewisses maß an intelligenz besitzen. leider zeigt die realität, dass der großteil der "normalen bürger" (deine diktion) hier defizite aufweisen.
lg, kurt
 
"normale Bürger"

merke: intelligenz und bildung sind prinzipiell zweierlei. es gibt ungebildete menschen, die hochintelligent sind und gebildetete menschen, die dumm sind.
leider überwiegen die dummen menschen bei weitem, wie der alltag beweist...
lg, kurt
 
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