Ersuche um Klarheit

Yola

New member
Hallo Leute,
nach diesen ganzen Insulin- Diskussionen bin ich jetzt total verwirrt, ich habe langsam das Gefühl, nix von dem, was ich mal glaubte, gelernt zu haben, stimmt.

Ich versuche das mal irgendwie zusammenzudröseln, also

1. Es gibt keine " Unterzuckerung" beim stoffwechselgesunden Menschen, weil nämlich immer nur soviel Insulin ausgeschüttet wird, wie benötigt wird, um den BZ- Spiegel zu senken...
mmmh, sollte ich jedoch eine Tüte Gummibärchen ( wahleise ein Honigbrötchen, 10 Negerküsse etc ) gefuttert haben, und ca 2 Std. später kommt die große Flatter, so ist das nur ein kurzfristiger Zustand, der sich von selber reguliert...
( Natürlich esse ich dann sofort wieder was, weil das Gefühl einfach unangenehm ist, kann man dann nicht vielleicht doch davon sprechen, dass reine Zuckerbomben doch zu Heißhungerattacken führen...? )

2. Sollte selbiges, obengeschildertes "Symptom " z. B. während eines 45 min. Laufes auftreten, handelt es sich NICHT um einen sog. "Hungerast ", denn dieser tritt erst nach einer Belastung von ca. 3 Std. auf, wenn sämtliche Glykogenvorräte in den Muskeln (?oder Leber? ) aufgebraucht sind...?
Um was handelt es sich aber dann?
Beispiel: Bei einer Fahrradtour durch Irland hatten viele von uns dieses Problem, schon nach ca. 2 Std. Fahrt, da gab´s halt hauptsächlich dieses merkwürdige Brot ( so ´ne Mischung aus Toast- und Weißbrot )mit Marmelade, nach spätestens 2 Std. mußte man sehen, dass man wieder was zu Futtern bekam.

3. Süßstoffe bewirken KEINE Heißhungerattacken, Forschungen, die diese Aussage hatten, sind veraltet

4. Kann man nicht im Allgemeinen sagen, dass Ballaststoffe schon günstig für den Körper sind, weil sie
- länger sättigen
- Blutzuckerspitzen vermeiden
- gut für die Verdauung sind...( klar! )

während reine Weißmehlprodukte halt einfach nicht so satt machen, man mehr davon essen kann, deshalb zwangsläufig auch mehr Energie zuführt und schneller wieder Hunger hat
( Käsestulle gegen Kuchenstück )
Und hängt das ganze nicht vielleicht doch irgendwie indirekt mit dem Insulinspiegel zusammen oder ist das alles Nonsens?

Ich will Insulin ja nicht verteufeln, jeder Typ1 Diabetiker wäre froh, wenn er es noch bilden könnte.

Hmmm, ich hoffe, ich habe nicht allzu wirres Zeugs geschrieben, es ging mir nur darum abzuklären, ob das, was ich eigentlich immer als ganz plausibel empfunden habe, nicht vielleicht zu einem " Mythos" gehört ( z. B. das Gefühl der "Unterzuckerung" nach einer reinen KH-Bombe, und damit verbundenem "Nachladen"...) Da fallen mir halt wieder diese Schlagworte "glykämischer Index " etc ein, naja, da wird ja hier auch nix von gehalten.
Also, ich hoffe, ich wärme hier nicht zum 1000. Mal olle Kamellen auf- ansonsten bitte ich um Nachsicht, ist schon ein bissel spät... Danke, Yola
 
hi yola,ich finde deinen bericht super gut,mir selber geht das seit tagen nicht aus dem kopf,haben wir seit jahren alles verkehrt gelernt,wiso wissen die meisten nichts davon,habe dadurch schon stress bei der arbeit,mit meinen neuen weisheiten,mit diätassi.die lassen das nicht gelten,weiß auch nicht warum.deine bericht lass ich mir jetzt ausdrucken,ich finde ihn gut.schönen tag noch.danke
 
Hungergefühl - Hungerast - Hammermann

Die 3 großen Hs im Ausdauersport :winke:

Hunger hängt nicht nur von BZ ab, sondern auch von der Magenfüllung und anderen Faktoren. Bei einem BZ von ca. 70 mg/dl merkt man normalerweise etwas, bei 60 mg schüttet die Bauchspeicheldrüse Glucagon und andere Hormone aus, um Leberglykogen zu Glucose aufzuspalten und das Gehirn wieder mit Glucose zu versorgen.

Hungerast bedeutet entleerte Leberglykogenspeicher, der BZ sinkt unter 50 mg mit den bekannten Symptomen: Zittern, Heißhunger, Herzrasen, Schwitzen usw. Bei BZ um 40 kommen Benommenheit, Seh- und Sprachstörungen, Tabuheitsgefühle, Verwirrtheit usw. hinzu, es wird gefährlich. Das Muskelglykogen kann nicht "helfen", es sitzt in den Muskelzellen fest. Abhängig von Körpergewicht und Muskelmasse haben Untrainierte ca. 80g Leber- und 350g Muskelglykogen, Ausdauertrainierte bis zu 120g/650g.

Der "Hammermann" verursacht Muskelschmerzen und Muskelermüdung wegen entleerter Muskelglykogenspeicher, bei fortdauernder Belastung nimmt der Muskel Glucose aus dem Blut auf, entweder z.B. durch kohlenhydrathaltige Getränke zugeführt oder indirekt aus dem Leberglykogen.

Es gibt ein Denkmodell, nach dem bei geringer Belastung und keiner KH-Zufuhr zuerst die Leberglykogenreserven aufgebraucht sind (hoher Anteil von Fettstoffwechsel schont Muskelglykogenreserven), da das Gehirn immer ungefähr gleichviel Glucose braucht. Das könnte z.B. beim Radfahren der Fall sein, aber erst nach (frühestens drei bis vier) Stunden. Eine intensive Belastung wie Marathon führt aber immer zuerst zum Hammermann, dann erst zum Hungerast.

Ich weiß ja nicht, was es in Irland zum Abendessen gab, aber für eine mehrtägige Radtour sind Kohlehydrate unerlässlich! Direkt nach der Belastung "schnelle" Kohlenhydrate wie Saft oder gezuckerter Joghurt, später die Klassiker Reis, Nudeln, Kartoffeln. Wenn's nur Fleisch und Kraut zu Abend gibt, sind die Glykogenspeicher nach ein paar Tagen schon auf "Reserve", da helfen ein paar Scheiben Brot auch nicht viel weiter ...

Gruß

chianti
 
Re: Hungergefühl - Hungerast - Hammermann

Hallo Chianti,
vielen Dank für Dein - wie immer- sehr informative Antwort.

Hmmm, habe ich das richtig verstanden:
Erst geht es an die Muskelglykogenreserven, dann an die Leberglykogenreserven, beides ist von der "Aufnahme" her trainierbar...? (Ausnahme: extrem langsame Ausdauereinheiten, ich nehme mal an, das ist der Grund für die empfohlenen langen Läufe in bezug auf ein Marathon- Training, d.h. also, die Muskelglykogenspeicher werden geschont, der "Hammermann" kommt eben nicht, und weil man ja unterwegs auch was essen sollte ( Bananen ) werden die Leberglykogenspeicher auch nicht komplett aufgebraucht.

An den KH kann es bei unserer Tour nicht gelegen haben, die hatten wir reichlich. Vielleicht lag es ja daran, dass wir einfach noch nicht die richtige Ausdauergrundlage hatten und somit nicht über genügend Glykogenspeicher verfügten...?
Naja, ich habe mir das halt immer damit erklärt, dass dieses Papp- Brot nicht lange satt macht, im Gegensatz zu Vollkornbrot, bzw. schneller "verheizt " wird.
Ist schon ein irre schwieriges Thema, gerade für den Laien...
Würde mich mal interessieren, ob Du Dir das alles so angeeignet hast, oder ob Du auch beruflich in der Branche tätig bist...? Hoffe, das war jetzt nicht zu neugierig!
Liebe Grüße, Yola
 
Re: Hungergefühl - Hungerast - Hammermann

den glycogenspeicher kannst du nicht vergrössern ,zumindest nicht mit training, der ist vorgegeben, aber du kannst ihn vor einer harten ausdauerbelastung aufladen "carbonloading" dann ist er prall voll, dies fängt aber ein paar tage vor der belastung an!

trainieren kannst du den fettstoffwechseln, das bei höheren anstrengungen trotzdem prozentual mehr fett als sonst verbraucht wird, dadurch hält der glycogenvorrat länger :)

dein hunger nach 2 studnen kann auch daher kommen, das durch das leichtverdauliche brot der magen zur schnell entlerrt wurde und deswegen die magenwände aneinander gerieben haben, was hunger auslösst, den magen gefüllt halten, zum beispiel mit wasser hilft da :winke:


entweder wirst du nen marathoni ,wie chianti oder du musst bücher holen von autoren, die nicht höllische werbung machen, und wo der bildanteil und reisserische texte ner ganzen seite schwarz/weiss weichen...bzw, einfach lang genug in foren, wie diesem unterwegs, und du wirst auch bald ein kleienr chianti sein ;P

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Du kannst auf langen Läufen ...

... durchaus dem Hammermann begegnen, je nach Kohlenhydratversorgung! Es ist vielleicht auch nicht das Schlechteste, wenn man eine Ahnung davon hat, wie es sich anfühlen könnte, wenn das Muskelglykogen zu Ende geht ... Psychotraining sozusagen!

Der Trainingseffekt langer Läufe besteht vor allem darin, dass in den Muskelzellen mehr Fett eingelagert wird und der Anteil des Fettstoffwechsels bei gleicher Belastung steigt. Dadurch werden die G-Reserven etwas geschont, aber nicht spektakulär. 25% Fettstoffwechsel statt 20% bringt einen nur etwa 2km weiter ...

Durch Ausdauertraining werden die G-Speicher durchaus vergrößert im Vergleich zu Untrainierten, der Körper legt schon ein paar "Vorräte" an, allerdings ist das nicht beliebig steigerbar.

Essen muss man übrigens nicht, Trinken ist weitaus praktischer und besser verträglich.

Gruß

chianti
 
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