Die optimale Lauftechnik

kurt1

New member
hier hab ich eine gute info (bis auf den absatz "beweglichkeit", der mythen über's stretching enthält)
für alle dauerläufer und angehende marahoners unter euch
gruß, kurt

Die optimale Lauftechnik

Wer träumt nicht davon, auf einmal schneller laufen zu können und sich dabei weniger zu quälen? Was sind nun die Merkmale einer optimalen Lauftechnik und wie kann eine Verbesserung erfolgen? Außerdem: wie setzt man nun beim Langstreckenlauf tatsächlich den Fuß auf, über die Ferse, über den Vorfuß oder sonstwo? Und: Was hat der Mini-Scooter mit der Lauftechnik zu tun?

Ein Bericht von Mag. Wilhelm Lilge - IMSB Wien (2002-04-01)

Um den wichtigsten Punkt vorwegzunehmen: Laufen ist eine Ausdauersportart, bei der die Technik der Bewegung eine eher untergeordnete Rolle spielt. Mangelnde Fitness kann durch perfekte Lauftechnik nicht kompensiert werden. Aber: auf der konsequenten Suche nach Möglichkeiten zur Leistungssteigerung sollte vielleicht auch einmal die Lauftechnik unter die Lupe genommen werden.

Im Langstreckenlauf geht es prinzipiell nicht darum, kurze Strecken mit größtmöglicher Geschwindigkeit zurückzulegen, sondern lange Strecken mit einer niedrigen oder mittleren Geschwindigkeit. Treibstoff sparen ist angesagt! Eine Ökonomisierung der Bewegung steht im Vordergrund. Ökonomisierung bedeutet in diesem Zusammenhang, ein bestimmtes Tempo (z.B. das angepeilte Marathontempo) mit möglichst geringem Aufwand zu bewältigen.

Der Aufwand sollte in mehrerlei Hinsicht möglichst gering sein:

Geringe muskuläre Beanspruchung durch einen Wechsel von Anspannung und Entspannung und durch weitgehendes Vermeiden von Belastungsspitzen.

Geringe Herz-Kreislauf-Belastung (niedrige Herzfrequenz).

Niedriger Energieverbrauch (auch durch einen hohen Anteil des Fettstoffwechsels).

Geringe Beanspruchung des Binde- und Stützgewebes auf sehr langen Strecken.

Diese Forderung nach größtmöglicher Ökonomie auf langen Strecken ist die Ursache dafür, dass sich der Laufstil von klassischen Marathonläufern von jenem der 5000m/10.000m Bahnläufer unterscheidet. Welche Faktoren ergeben nun diesen harmonischen Ablauf, der beim Beobachter den Eindruck erweckt, der Läufer könne gar nicht langsam laufen?

Größtmöglicher Wegfall von Bremskräften oder Teilbewegungen, die nicht dem Vortrieb dienen:

Der aktive Fußaufsatz

Bereits der Fußaufsatz wird mit einer ziehenden („scharrenden“) Bewegung eingeleitet. Der Moment des Fußaufsatzes ist wohl auch der Moment, der nicht zuletzt durch die Forderung des Dr. Strunz nach einem „Vorfußlaufen gemäß dem Vorbild der Rehe“ - unabhängig von Geschwindigkeit und Körpergewicht - zu einem fast ideologisch vorbelasteten Aspekt geworden ist. Am Fußaufsatz scheiden sich die Geister.

Um es ganz klar festzuhalten: entscheidend ist gar nicht so sehr, mit welchem Punkt der Sohle der erste Bodenkontakt erfolgt, sondern in welche Richtung die entstehenden Kräfte wirken. Entsprechende Messungen mit mehrdimensionalen Kraftmessplatten zeigen, dass im Moment des Bodenfassens immer gewisse Bremskräfte, d.h. Kräfte entgegen der Fortbewegungsrichtung, auftreten.

Der stilistisch gute Läufer setzt vielleicht auch über die Ferse auf, aber noch in der Luft antizipiert er den Bodenkontakt und setzt den Fuß aktiv mit einer nach hinten ziehenden Bewegung auf. Die Bremskräfte werden so minimiert. Die Ferse wird nicht in den Boden gerammt, sondern weich aufgesetzt. Das Wörtchen „aktiv“ steht im Mittelpunkt. Das Fußaufsetzen ist kein passiver Vorgang, wo man sich den Gesetzen der Schwerkraft folgend in den Schritt hineinfallen lässt, sondern der Fuß fasst aktiv den Boden.

Konzentrieren Sie sich einmal darauf, es funktioniert auch beim langsamen Dauerlauf. Sie werden merken, dass automatisch der Schwerpunkt höher liegt (weniger „sitzender“ Laufstil). Legen Sie einen Fußabstreifer umgedreht auf einen glatten Boden und versuchen Sie diesen beim Drüberlaufen nach hinten wegzuschleudern. Laufen Sie „mit Vorderradantrieb“! Beim „normalen“ Laufen brauchen Sie natürlich nicht zu übertreiben, es reicht meist schon die Konzentration auf diesen Bewegungsablauf. Versuchen Sie zu spüren, wie Sie sich über den aufsetzenden Fuß „drüberhebeln“.

Vergessen Sie: „Schnelle Läufer laufen am Vorfuß, langsame Läufer über die Ferse“

Es ist eine vollkommen falsche Behauptung, dass alle schnellen Läufer „am Vorfuß“ laufen. Ich habe beim letztjährigen Berlin-Marathon den Spitzenläufern (bis ca. 2:30) genau auf die Füße geschaut und festgestellt, dass nur 10 – 15% bei km 30 nicht über die Ferse aufsetzen. Diese wenigen Vorfußläufer waren darüber hinaus praktisch ausschließlich Leichtgewichte. Selbst diese Läufer haben aber ihre Lauftechnik nicht von heute auf morgen umgestellt, sondern ihre Füße von klein auf an diese Belastung gewöhnt, weshalb sie auch dabei bleiben können.

Der „Morbus Strunz“ ist sonst fast programmiert. Darunter versteht man die Tatsache, dass v.a. das Fußquergewölbe (im Bereich des Fußballens) von schwergewichtigen Läufern nicht die beim Vorfußlaufen entstehenden Belastungsspitzen tolerieren kann, weshalb Ermüdungsbrüche der Mittelfußknochen und auch Probleme der überforderten Wadenmuskulatur an der Tagesordnung stehen. Mit diesen Problemen werden mittlerweile viele Orthopäden und Untersuchungsstellen tagtäglich konfrontiert.

10 Meter am Podium mit Socken bei einem Vortrag zu laufen sind eben etwas anderes als einen langen Dauerlauf mit Laufschuhen zu absolvieren. Die Anatomie der vielzitierten Rehe ist eben auch eine ganz andere und schließlich laufen die Rehe und Hasen nicht auf zwei Beinen! Das müsste ein Mediziner eigentlich wissen. Zumindest der langsame Vorfußlauf funktioniert einfach nicht auf lange Dauer!

Auch unter Österreichs Spitzenläuferinnen gibt es zwei gute Beispiele. Ulrike Puchner läuft einen ganzen Marathon am Vorfuß, hat das immer schon so gemacht und damit keine Probleme. Dagmar Rabensteiner, Inhaberin der österreichischen Bestleistung (2:35:42), setzt den Fuß bei einem sehr langen Schritt extrem über die Ferse auf. Erst bei genauem Hinsehen (Videoanalysen) kann man erkennen, dass Sie den Fuß tatsächlich „ziehend“ aufsetzt und den Schwerpunkt schnell über die Unterstützungsfläche bringt.

Wenn Sie das richtige Abrollverhalten ganz genau analysieren, so werden Sie bei „Fersenläufern“ folgenden Verlauf erkennen: Der erste Bodenkontakt erfolgt über die hintere Fußaußenkante. Bei hoher Laufgeschwindigkeit verlagert sich dieser Aufsatzpunkt weiter nach vorne (Mittelfußbereich) oder noch weiter nach vorne (Bereich des Fußballens) beim Sprinter. Kurz vor dem Bodenkontakt sollte man von hinten deutlich erkennen können, dass der Fuß im Sprunggelenk nach innen abgewinkelt wird. Ab dem Bodenkontakt wandert das Sprunggelenk nach innen (Pronationsbewegung), bis der Fuß flach auf dem Boden steht. Wenn der Fuß dann noch weiter nach innen gedreht wird (Einknicken), spricht man von einer Überpronation und ein stabiler Laufschuh mit einer Pronationsstütze sollte her. Vor dem Abdruck (eine Streckung im Sprunggelenk sollte erkennbar sein) erfolgt schließlich wieder eine leichte Nach-auswärts-Drehung (Supination), wodurch der Fuß nach dem Abdruck geradlinig nach hinten ausschwingt.

Wie Sie den ziehenden Fußaufsatz trainieren können? Ganz einfach: borgen Sie sich von Ihren Kindern den „Mini-Scooter“ aus (oder kaufen Sie sich besser einen eigenen). Ob guter, alter Trittroller oder cooler Mini-Scooter, das ist das ideale Trainingsgerät zum Erlernen eines ziehenden Fußaufsatzes und zur dynamischen Kräftigung der dafür notwendigen Oberschenkelrückseite. Damit können Sie langsam beginnend auch bei einem Fußaufsatz über die Ferse das Ziehen betonen. Als Zusatznutzen werden Sie bemerken, dass der Oberschenkel des Standbeines ordentlich gekräftigt wird bei gleichzeitiger Stabilisation im Knie- und Hüftgelenk. Nach einiger Übung können Sie mit dem Scooter ein richtiges Intervalltraining analog zum Laufen durchführen, evtl. auch leicht bergauf.

Der Kopf: Mit fliegenden Haaren oder gleiten statt hüpfen

Der Schwerpunkt sollte im Sinne einer größtmöglichen Bewegungsökonomie jedenfalls möglichst gleichförmig, d.h. ohne übermäßige Hoch-Tiefbewegung, bewegt werden. Der Marathon ist mit über 42km wohl lang genug, da brauchen Sie nicht zusätzlich noch 3 km hoch und tief zu laufen! Diesen gleichmäßigen Schwerpunktverlauf können Sie am besten anhand des Kopfes überprüfen. Lassen Sie sich mit einer Videokamera filmen und beobachten Sie die „Bewegungskurve“ des Kopfes in Relation zum Hintergrund, je gleichmäßiger, um so besser. Beobachten Sie einmal Spitzen-Marathonläufer im Fernsehen, wenn man in einer Kameraeinstellung von der Seite nur den Oberkörper sieht.

Kopf und Schulterachse bewegen sich fast geradlinig nach vorne. Jede Hoch-Tiefbewegung bewirkt auch eine stauchende („exzentrische“) Belastung der Oberschenkelvorderseite. Diese Art der Belastung verursacht den Muskelkater beim ungewohnten Bergablaufen. Gerade in der Endphase eines Marathons fühlt sich diese Muskulatur oft „tot“ an, die Krampfneigung steigt und das objektiv nahe Ziel scheint in weiter Ferne. Vielleicht ist die Lauftechnik schuld. Vielleicht sind Sie auf der ersten Hälfte kräftestrotzend zu viel „gehüpft“, jetzt bekommen Sie die Rechnung präsentiert. Probieren Sie einmal bei einem ruhigen Dauerlauf ein Stück mit einem fast vollen Wasserbecher zu laufen. Wenn Sie nichts verschütten, machen Sie es richtig.

Die übermäßige Hoch-Tiefbewegung vermeiden Sie, wenn Sie als Folge des aktiven Fußaufsatzes im Hüft- und Kniegelenk so weit stabilisieren, dass Sie nicht bei jedem Schritt zusammensinken. Das Standbein (das Bein, das Sie gerade aufgesetzt haben) sollte im Knie nicht zu stark gebeugt werden. Der Kniewinkel sollte im Moment der stärksten Beugung ca. 145 – 160 Grad betragen. Versuchen Sie, aktiv gegen ein zu starkes Beugen vorzugehen, was bei einem ziehenden Fußaufsatz auch viel leichter fällt.

Die Armarbeit

Die Arme haben neben der Funktion des Verpflegungsaufnahme beim Marathonläufer eine rhythmisierende Aufgabe. „Actio est reactio“, gilt in diesem Zusammenhang. Wenn Sie Ihre Arme quer vor dem Oberkörper hin und her schwingen, werden auch ihre Beine keinen geradlinigen Bewegungsablauf aufweisen können. Je mehr Sie die Armarbeit betonen, um so länger wird Ihr Schritt sein. Gerade unter starker Ermüdung kann die Konzentration auf die Armarbeit eine kleine Hilfe sein. „Die Arme sind der Schrittmacher für die Beine“, heißt es deshalb nicht ohne Grund. Beim Marathonläufer sollten die Arme im Ellbogengelenk einen Winkel von 45 – 90 Grad aufweisen. Eine zu tiefe Armführung (wenn die Hände unterhalb des Hüftknochens vorbei nach hinten schwingen) ermöglicht keine hohe Schrittfrequenz.

Der Ellbogen sollte recht weit hinten oben ausschwingen und damit auch die Aufprallkräfte auffangen. Eine stark verkürzte Brustmuskulatur oder eine falsche Bewegungsvorstellung (die Arme werden oft „schützend“ vor der Brust gehalten) führt zu einem übermäßigen Quer-Rotieren der Schulter. Diese starke Schulterrotation erschwert einen flüssigen Laufstil und vergeudet Energie. Oft sieht man auch, dass die Schultern bei zunehmender Anstrengung immer höher gezogen werden. Wieder ein klarer Fall von Energievergeudung und außerdem der Hauptgrund für Verspannungen im Nackenbereich.

Tipp: Reiben Sie beim Laufen einmal Daumen und Zeigefinger aneinander (es geht auch mit einem kleinen Kieselstein). Sie werden bemerken, dass damit automatisch die ganze Schulterpartie locker wird.

Heb‘ die Knie! Aber wie?

Kennen Sie auch die Trainer, Betreuer (Ehemänner, etc.), die ihre Schützlinge mit der gut gemeinten Aufforderung „Heb‘ die Knie!“ zwecks Erhöhung der Laufgeschwindigkeit versorgen? Wenn das so einfach wäre! Der Kniehub – wie hoch der Oberschenkel vorne hoch geführt wird – ist mehr die Folge anderer Teilbewegungen als auslösendes Moment. Wenn Sie den relativ schwergewichtigen Oberschenkel mit dem daran montierten Unterschenkel bei jedem Schritt aktiv hoch heben müssen, wird das auf Dauer eine ziemliche kräfteraubende Angelegenheit. Sie können es viel einfacher haben! Was machen Sie, wenn die Pendeluhr zu langsam geht? Richtig, Sie schieben das Gewicht näher zum Drehpunkt. Betrachten Sie auch Ihre Beine als eine Art Pendel, die im Hüftgelenk als Drehpunkt fixiert sind. Wenn Sie beim Vorziehen des Beines (nach dem Bodenlösen hinten) den Fußballen gerade 3 cm über dem Boden nach vorne schleifen und über jeden mittleren Schotterstein stolpern, kann kein rechter Pendelschwung aufkommen.

Wenn Sie aber das Bein nach dem Bodenverlassen im Kniegelenk so weit beugen, dass die Ferse relativ knapp unter dem Gesäß nach vorne schwingt (Anfersen), dann wird auf einmal das Bein ganz von alleine vorne hoch schwingen. Die Hobby-Biomechaniker sprechen in diesem Fall von einer Pendelverkürzung. Wenn Sie sich filmen lassen: in dem Moment, in dem das Schwungbein unter dem Gesäß nach vorne schwingt (der Oberschenkel die Vertikale durchschreitet), sollte der Unterschenkel waagrecht stehen. Bei höherem Lauftempo sollte die Ferse in diesem Moment sogar höher als das Knie liegen.

Warum das so wichtig ist? Weil nur dadurch ein Wechsel von Anspannung und Entspannung der Beinmuskulatur möglich wird, die Grundlage jeder ökonomischen Bewegung.

Wie stark der Kniehub und das Anfersen ausgeprägt sind, ist natürlich in erster Linie von der Laufgeschwindigkeit abhängig. Bei einem Lauftempo von 6 Minuten pro Kilometer ist noch kaum ein Abrollen des Fußes und auch kaum ein dynamischer Abdruck zu erkennen. Wichtig ist, dass vordere und hintere Schwungphase gleich deutlich ausgeprägt sind, d.h. dass Sie weder „sitzend“, noch mit starker Vorlage unterwegs sind.

Gibt es den idealen Laufstil?

Es gibt wohl eine ideale Lauftechnik, aber nur einen individuell optimalen Laufstil. Die Unterschiede im Stil werden von folgenden Faktoren beeinflußt:

Beweglichkeit

Eine wesentliche Voraussetzung für einen ökonomischen Laufstil ist natürlich eine ausreichende Beweglichkeit. Stretching dient also nicht nur zur Verletzungsvorbeugung, sondern auch direkt zum schnelleren Laufen über lange Strecken. Wenn Sie bei jedem Kniehub große innere Widerstände überwinden müssen, weil die Oberschenkelrückseite stark verkürzt ist, dann haben Sie noch nie die Schönheit der fließenden, entspannten Laufbewegung erfahren.

Beinlänge und andere anthropometrische Maßverhältnisse (auch Größe und Gewicht)

Kraftniveau, bzw. muskuläre Dysbalancen

Bewegungsvorstellung (Sie wissen: Vorderradantrieb, Fußabstreifer, etc.)

Evtl. vorhandene oder auch überwundene Verletzungen
(Schonhaltung; lassen Sie sich filmen, einseitige Bewegungen merkt man oft gar nicht mehr)

Fußfehlstellungen
Überpronation oder Supination (Einknicken nach innen bzw. außen) Laufschuhe
(v.a. Ausmaß der Dämpfung). Jeder Laufschuh stellt einen gewissen Kompromiss von Dämpfung und Stabilität dar. Auch wenn das die Werbung manchmal behauptet, eine Kombination von hervorragender Dämpfung und hoher Stabilität ist einfach nicht möglich. Gerade zu Beginn sollten Sie eher zu stabileren Schuhen mit einer guten Führung greifen, während die Dämpfung (egal ob Air, Gel oder sonst irgend etwas) nicht so wichtig ist. Eine übermäßige Dämpfung führt dazu, dass Sie mitunter gar nicht merken, dass Sie bei jedem Schritt die Ferse in den Asphalt rammen, weil der Schuh alles schluckt. Es ist auch kein Kriterium, ob sich der Schuh im Geschäft beim Probieren „wie ein Patschen“ anfühlt. Der Laufschuh soll in erster Linie dazu dienen, dass Sie den Fuß richtig abrollen.

Durch diese Vielzahl von Faktoren gibt es unterschiedlichste stilistische Ausprägungen. Manche Dinge sind als Fehler zu bewerten, andere sind unproblematisch. Fehler werden durch -zigtausende Schritte automatisiert und sind nur schwer zu korrigieren. Auch hier gilt: was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr. Deshalb ist eine gute koordinative Ausbildung bereits für Jugendliche so wichtig („Lauf ABC“)

Eine Leistungsverbesserung durch einen ökonomischen Laufstil können Sie auch indirekt dadurch erreichen, weil Sie weniger zu Verletzungen neigen. Beim typischen Langstreckenschritt werden auftretenden Belastungsspitzen (v.a. beim Fußaufsatz) geglättet. Ein bewusst kurzer Bodenkontakt („Abschlagbewegung“) schont zwar die Gelenke (v.a. das Kniegelenk), stellt jedoch eine höhere Belastung für Muskulatur und Sehnen dar. Aus diesem Grund sollten Sie bei den meisten Kniebeschwerden eher auf hartem Untergrund mit stabilen Laufschuhen ohne übermäßige Dämpfung laufen. Wenn Sie zu Problemen mit Sehnenansätzen (das häufigste Läuferleiden!) und der Muskulatur neigen, ist hingegen ein weicher Untergrund vorteilhafter.

Vor lauter Angst, beim Laufen irgendetwas falsch zu machen, sollten Sie aber eines nie vergessen: der größte Fehler ist nicht zu laufen!
 
Yeeeaah,
auf einen solchen Artikel habe ich gewartet. Gelesen habe ich ihn nocht nicht ganz, aber ich freue mich darauf. Bin mal gespannt, ob es was bringt.
LG, Jackie
 
> Im Langstreckenlauf geht es prinzipiell nicht darum, kurze Strecken mit größtmöglicher Geschwindigkeit zurückzulegen, sondern lange Strecken mit einer niedrigen oder mittleren Geschwindigkeit.

Ach nein?? Und warum macht man dann noch Rennen? Gewinnt dort der Letzte??

Alles in allem: Hübscher Artikel, leider hat der Mann seine Hausaufgaben nicht sehr gut gemacht.

Besser ist: Natürlich Laufen von Matthias Marquardt.
 
ich weiß nicht, welche qualifikation Matthias Marquardt aufzuweisen hat. der titel seines buches klingt eher nach philosophie (ähnlich wie "gentle running" von Wim Luipers). Lilge ist sportwissenschaftler, experte für laufsport und ein erfolgreicher trainer im langstreckenlauf.
für deine fehlinterpretation seiner - korrekten - aussage über die laufgeschwindigkeit solltest du nicht seine, sondern deine qualifikation auf dem gebiet der leistungsphysiologie in frage stellen. aber vielleicht bist du ein phänomen, das das tempo eines 100m-sprints einen marathondistanz halten kann. schon mal was von "energieflussrate" gehört? zur weiteren info siehe meinen artikel "die muskuläre energiebereitstellung" auf meiner homepage. außerdem geht es in lilges artikel nur um eine basisinfo über die lauftechnik.
gruß, kurt
 
Lieber Phux

ich muss mich schon etwas wundern, wie ihr lilges aussage über die laufgeschwindigkeit fehlinterpretiert. er widerspricht doch in keinster weise deinen ausführungen! was er sagt, ist, dass man eine maximalgeschwindigkeit nicht über einen längeren zeitraum aufrecht erhalten kann. natürlich gilt es, im langstreckenlauf den größtmöglichen speed für den entsprechenden zeitraum zu realisieren. ich schließe mich lilges meinung an, dass "laufen" erst bei einer pace von weniger als 6 min/km beginnt.
im übrigen hat sich meine vermutung bestätigt, dass marquardt auf dem gebiet des laufsports nicht die qualifikation lilges aufzuweisen hat. eine trainerlizenz ist hiefür zuwenig.
gruß, kurt
 
Frage @Kurt (aber auch an andere ;-) )

Hallo,
habe den Artikel gelesen und finde besonders die Stelle zum "Kniehub"interessant, wo es darum geht, in einer Art Pendelfunktion den Bewegungsablauf zu optimieren. Das werde ich mal probieren, da ich ja in der Regel meine Halbmarathons gerade mal so am Limit des "Laufens" bestreite, mit etwas unter 6min/km ;-)
Anyway, was mich interessiert ist Deine Bemerkung am Anfang, dass der Abschnitt zum Thema "Beweglichkeit", zw. die "Mythen über das stretching". Der Autor schreibt:
"Stretching dient also nicht nur zur Verletzungsvorbeugung, sondern auch direkt zum schnelleren Laufen über lange Strecken. Wenn Sie bei jedem Kniehub große innere Widerstände überwinden müssen, weil die Oberschenkelrückseite stark verkürzt ist, dann haben Sie noch nie die Schönheit der fließenden, entspannten Laufbewegung erfahren."
Wieso stimmt das nicht? Ich war letzte Woche zum Probetraining im Fitnessstudio und musste wieder feststellen, dass meine äußeren Bänder (Strecker?) stark verkürtzt sind, was der Trainer als "läufertypisch" kommentierte und meinte, ich müsse vermehrt dehnen, um der Verkürzung entgegenzuwirken. Das klingt eigentlich logisch für mich, zumal man ja davon ausgehen sollte, dass bei besserer Beweglichkeit auh die Schrittlänge besser wird, bzw. der Bewegungsablauf optimiert und die Muskulatur anders beansprucht wird.
Was stimmt denn jetzt, bzw. wo hat der Autor bzw. der Studiotrainer unrecht?
 
Re: Lieber Phux

Der Artikel von Marquardt ist auch ganz interessant, ich hoffe nur, dass viele sich die Mühe machen, auch die letzten Absätze zu lesen. Denn dort schließt der Autor ja schon selbst einigermaßen deutlich die folgenden Personenkreise aus der Vorfußlauftechnik aus:

- Personen mit Spreizfuß-Problemen
- Personen mit höherem Körpergewicht
- Personen, die in erster Linie lustbetont und außerdem verletzungsfrei laufen

Ich schätze mal, dass er mit diesen Kriterien mind. 80% der Forumels "erschlagen" hat :winke::winke::winke:. Jedenfalls finde ich es immer wieder sehr lohnenswert, sich Beschreibungen eines "guten" Laufstils zu Gemüte zu führen und mal ein bißchen auf seine Lauftechnik zu achten und an ihr zu feilen...

lg

Tabea
 
Re: Lieber Phux

stimmt, redakteur eines laufsportmagazins zu sein, sagt nicht viel aus. marquardt ist mediziner, der sich mit (klinisch fragwürdig relevanten) zinkverlusten befasst und nebenbei hobbyläufer betreut. lilge ist sportwissenschaftler, der sich eingehend mit dem laufsport befasst und weltklasseläufer trainiert (und sich bei seinen laufstilanalysen nicht nur auf sein "auge" verlässt:winke:)
laufen ist übrigens mehr als nur eine schnellere fortbewegungsart als gehen. joggen ist noch kein laufen, es ist "traben". darüber habe ich schon mal gepostet.
gruß, kurt
 
Re: siehe Thomas Postings!

Hallo Kurt!
Danke für den Hinweis. habe gerade den Artikel gelesen. Jetzt habe ich aber trotzdem noch die Frage, was ich gegen meine vorhandene Verkürzung machen kann, bzw. ist dann Krafttraining sinnvoll, bzw. welches?
LG, Jackie
 
Muskel"verkürzung"

wie thomas bereits ausführte: primär kräftigung des antagonisten. natürlich schadet ein training der muskulären flexibilität auch nicht. die frage ist immer - wofür brauche ich diese? welchen sport treibe ich, wo flexibilität gefragt ist? kann ich auch im alltag ein gewisses bewegungsmuster unterbringen, das langfristig eine größere "reichweite" einer bestimmten muskelgruppe ermöglicht?
thomas ist hier der fachmann. frag mal ihn dazu.
lg, kurt
 
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